Als langsam reisende digitale Nomaden versuchen Nico und ich, unsere Lebenserhaltungskosten im Alltag so niedrig wie möglich zu halten.

Gleichzeitig wollen wir dabei einen so angenehmen Lebensstil wie möglich pflegen. Das klappt grundsätzlich auch ganz gut, da wir den Großteil des Jahres in günstigen Ländern leben. Aber Verbesserungspotential gibt es natürlich immer.

Warum Ausgaben tracken?

Besonders wenn sich unsere Lebensumstände ändern – was eigentlich bei jedem Umzug in ein neues Land oder eine neue Unterkunft der Fall ist – müssen wir uns disziplinieren, damit dekadente Restaurantbesuche & Co. nicht zum neuen Alltag werden.

Das kann nämlich schnell passieren, wenn das nette Hipster-Café nebenan einfach so verdammt guten Kaffee kocht und exzellentes und gesundes Frühstück anbietet. Gruß an dieser Stelle ans Satu Satu in Canggu, das unser Budget vor einigen Wochen gehörig durcheinandergewirbelt hat! Selbst in Südostasien gehen solche Ausflüge nämlich gehörig ins Geld, wenn man sie zum Alltag werden lässt.

Abgesehen von den Kosten, die der unabeabsichtigte Lifestyle Creep so mit sich bringt, finden wir eine frugalistische Lebensweise auch aus philosophischer Sicht ganz erstrebenswert. Es lohnt sich für die eigene Zufriedenheit einfach immer, sich in „delayed gratification“ zu üben. Das sagt sich hier im Blog so leicht; im betreffenden Moment, wenn mich der Kaufrausch packt, will natürlich am liebsten auf alle guten Vorsätze pfeifen und mir den Gourmet-Burger mit allen Extras gönnen (ja, es geht bei mir immer ums Essen 😉 ).

Seit September 2018 leben wir jetzt auf Bali, und hier haben wir in den ersten Wochen besonders über die Stränge geschlagen. Kein Wunder, denn hier gibt es dank der ausufernden Yogi- und Selbstfindungs-Szene wirklich eine Menge erstklassige Cafés und Restaurants, in denen man es sich mit vermeintlich gutem Gewissen den gesunden Schlemmereien hingeben kann.

Geld kostet das Ganze natürlich trotz asiatisch niedriger Preise, und so waren die ersten Wochen hier auf Bali ziemlich teuer.

Das Leben auf Bali ist schön. Aber wenn man nicht aufpasst, wird’s trotzdem teuer. 😉

Budget für den Alltag auf Bali

Aber wie viel kostet uns das Leben hier eigentlich genau, und wie viel Geld haben wir hier ausgegeben? Das konnten wir nach ein paar Wochen gar nicht mehr so genau sagen, wie wir mit Erschrecken feststellen mussten.

Deshalb haben wir die Reißleine gezogen und uns Mitte Oktober 2018 endlich entschieden, (wieder) ein Haushaltsbuch zu führen und unsere Ausgaben genau festzuhalten.

Dafür haben wir uns ein Google Docs Sheet für das Tracking der Daten erstellt und auf unsere Bedürfnisse angepasst (und dabei den Excel-Klon oft verflucht). Und siehe da: Allein das Sammeln der Daten hat uns dazu bewogen, eine ungeahnte Disziplin an den Tag zu legen.

Wir hatten uns halb im Scherz das Ziel gesetzt, täglich zusammen nicht mehr als 200.000 IDR (etwa 12 Euro) auszugeben. Miete und Visumskosten nicht inkludiert.

Das ist für zwei Personen selbst auf Bali sehr sportlich, wenn man noch einigermaßen gut leben will. So ganz haben wir dieses Ziel bisher nicht erreicht, aber wir sind erstaunlich nah dran. Aber seht selbst:

Ausgabenreport November 2018 für das Leben in Ubud, Bali

Im Folgenden seht ihr unsere Tagesausgaben im November.

Die blauen Daten sind Kosten, die auf den ganzen Monat gerechnet sind, also in erster Linie unsere Miete. Natürlich haben wir die Miete eigentlich auf einen Schlag am Anfang des Monats bezahlt, aber das würde den Graphen unleserlich machen. Deshalb werden derartige Ausgaben in der Auswertung automatisch auf alle Tages des Monats verteilt.

Die roten Daten sind unsere tatsächlichen Tagesausgaben. Wie ihr seht, schwanken diese ganz ordentlich. An manchen Tagen geben wir fast nichts aus, ernähren uns von dem, was der Kühlschrank so hergibt und bleiben abends zu Hause.

Gerade am Wochenende kann es aber durch Ausflüge oder Bar-Besuche auch gern mal etwas teurer werden. Trotzdem achten wir zurzeit eigentlich täglich darauf, dass wir es nicht zu sehr übertreiben.

Die nächste Grafik zeigt die Ausgabenverteilung nach Kategorien.

Eine gängige Empfehlung ist ja, dass die Miete etwa 1/3 der monatlichen Ausgaben ausmachen sollte. Unsere Miete lag bei knapp über 400 Euro und war damit im Vergleich zu unseren sonstigen Ausgaben recht hoch. Das hat drei Gründe:

  1. Zum Einen zahlt man als Ausländer einfach oft drauf; man kann eben ohne Sprachkenntnisse und mit deutscher Mentalität nicht so gut verhandeln wie die Locals. Außerdem bekommt man selbst mit viel Verhandlungsgeschick keine Local-Preise. Ist einfach so.
  2. Außerdem hatten wir unsere Unterkunft nur für einen Monat gemietet. Je kürzer man irgendwo lebt, desto teurer wird es natürlich. Langzeitmiete ist immer günstiger als Kurzzeitmiete oder womöglich nur tageweise wie in Hotels oder Hostels.
  3. Last but not least waren wir im November in einem AirBNB, und die sind immer teurer als das, was man vor Ort findet. Klar, die Zielgruppe von AirBNBs sind nun mal Touristen oder Individualreisende (mit Betonung auf „Reisende“). Gelohnt hat es sich trotzdem, denn es war wirklich wunderschön!
Unsere ultra-gemütliche Unterkunft im November: Das Auroville, eine kleine Hütte in den Reisfeldern südlich von Ubud
Hier haben wir morgens bei Kaffee und Tee die Tierwelt im Garten beobachtet und uns gegenseitig Wikipedia-Artikel zu den ganzen Viechern vorgelesen.
Unser kleiner aber feiner Garten mit Teich und Bananenstauden.

Was steckt in den Kategorien?

Genug Fotos, back to topic!

Für unsere Ausgaben-Kategorien haben wir in unserem Google Sheet auch Subkategorien angelegt, aber mit denen bin ich noch nicht so ganz zufrieden. Deshalb poste ich das unübersichtliche Tortendiagramm für die Subkategorien hier jetzt nicht. Ist einfach zu chaotisch und bringt keinen Mehrwert.

Damit ihr trotzdem wisst, was in den oben genannten Kategorien aus dem Tortendiagramm steckt, hier eine Auflistung:

Unterkunft:

  • Miete für unsere Unterkunft
  • Kaution/Anzahlung
  • Visumskosten (da diese im weiteren Sinne dafür notwendig sind, dass wir hier leben dürfen)
  • Trinkgeld für die Haushaltshilfe

Transport:

  • Taxi oder GoJek (GoJek ist eine App, so ähnlich wie Uber/Grab)
  • Scooter-Miete (günstige 550.000 IDR (etwa 33 Euro pro Monat))
  • Tanken
  • Strafgebühr für’s Fahren ohne Führerschein

Ernährung:

  • Warungs (balinesische Restaurants, in denen die Locals essen gehen; Gerichte bis etwa 35.00 IDR (etwa 2 Euro))
  • Touristen-Restaurants (Gerichte ab 35.000 IDR bis etwa 150.000 IDR (etwa 9 Euro))
  • Snacks (sooo viele Schokoriegel und Kekse! etwa 1.000-2.000 IDR (etwa 6-12 Cent) pro Snack)
  • Obst (sehr unterschiedliche Preise je nach Sorte, aber nicht so günstig, wie man es vielleicht vermuten könnte)
  • Wasser (Leitungswasser ist hier nicht trinkbar; 16.000 IDR (etwa 1 Euro) für 6l Trinkwasser)

Haushalt:

  • Einkäufe, z.B. Shampoo, Batterien, Taschentücher, etc.
  • Waschsalon (etwa 35.000 IDR pro Waschgang um die 3-4 kg)

Spaß:

  • Abends Ausgehen
  • Bier für zu Hause (wenn wir beide trinken)
  • Ausflüge und Eintritte, z.B. Monkey Forest oder Wasserfall
  • Wochenend-Trips mit Hostel-Unterkunft (das zählen wir nicht als „Unterkunft“, weil es Luxus ist)

Die genauen Preise für einzelnen Items liste ich hier bewusst nicht detaillierter auf, da das den Rahmen sprengen würde. Wer hier genauere Infos benötigt, kann auf Seiten wie Nomad List oder Numbeo genauere Daten abfragen, die von der Community zusammengestellt werden.

Gerade bei Nomad List finde ich die Kosten aber oft zu hoch gegriffen. Aber es kommt sicher sehr auf den Lebensstil an. Wir arbeiten ja sehr bewusst daran, unsere kosten unterdurchschnittlich niedrig zu halten.

Was ist nicht in den Daten enthalten?

Wichtig ist, dass die Daten nur unsere gemeinsamen Ausgaben vor Ort enthalten. Nennenswerte Ausgaben, die nicht enthalten sind, sind beispielsweise:

  • unsere Langzeit-Auslandskrankenversicherungen (je etwa 40 Euro pro Monat)
  • alle Sparraten für die Geldanlage/Altersvorsorge
  • diverse Abonnements, z.B. Amazon Prime oder Netflix
  • Steam- und GoG-Games (böse Kostenfalle!)
  • Nicos Gourmetkaffee und E-Zigaretten-Zeug (Equipment + Liquids)
  • Ninas versnobbte Tees
  • Bier, das wir nicht gemeinsam getrunken haben. Wenn wir gemeinsam getrunken haben, ist das unter „Spaß“ aufgeführt.

Fazit: Unsere Gesamtausgaben im November in Ubud

Im November 2018 haben wir zu zweit vor Ort in Ubud auf Bali 819,86 Euro ausgegeben.

Da geht noch weniger! 😉 Mal sehen, was der Dezember bringt…