Es ist wieder mal soweit: Wir sind seit einigen Monaten nicht mehr im Deutschland, und nach anfänglicher Euphorie, wieder unterwegs zu sein, schleichen sich nun immer mal wieder Gedanken an Zuhause ein.

Vielleicht liegt es auch daran, dass wir gerade heute unsere Rückflüge nach Deutschland gebucht haben – jedenfalls ist die Heimat gerade heute bei mir sehr präsent.

Die perfekte Gelegenheit also, aus der Ferne mal einen Blick nach Good Old Germany zu werfen und aufzuzählen, was ich alles an Deutschland vermisse – und wie ich die Sehnsucht stille. 😉

Deutschland im Nebel. Bei solchen Fotos bekomme ich Heimweh.

Ich vermisse Käsebrot!

Ihr lacht vielleicht, dass das der erste Punkt auf meiner Liste ist, aber essen ist einfach eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Und Käsebrot esse ich besonders gern. Klar, es gibt typischere deutsche Mahlzeiten, und es gibt deutlich ausgefeiltere Gerichte.

Ich stehe allerdings überhaupt nicht auf deutsche Hausmannskost. Also vermisse ich Wurst, Hackbraten, Schweinshaxen und den ganzen Kram überhaupt nicht. Esse ich sowieso fast nie, auch nicht in Deutschland.

Käsebrot aber gehört, wenn ich in Deutschland bin, zu meinen Grundnahrungsmitteln. Mit Gouda, Maasdamer, Edamer, Camembert, Brie – was auch immer! Da haben unsere holländischen und französischen Nachbarn ja einiges an Auswahl zu bieten.

Einfach lecker, besonders mit (hört, hört!) vernünftigem deutschen Brot. Denn das bekommt man im asiatischen Ausland nur schwer zu kaufen. Oder die Qualität ist mies. Oder der Preis ist unverschämt hoch.

Wie ich meine Käsebrot-Sehnsucht kompensiere:

Eigentlich kann ich meiner Lust auf Käsebrot in Südostasien, wo wir ja meistens leben, gar nicht nachgehen. Aber das macht nichts.

Es gibt schließlich an (wortwörtlich) jeder Straßenecke so viele geniale Gerichte, dass ich meine Lust auf Käsebrot einfach auf den Heimatbesuch vertage und mich stattdessen an asiatischer Küche gütlich tue.

Nasi Campur statt Käsebrot. Damit kann ich leben. Sehr gut sogar.

Als Ausgleich gönne ich mir dann, wenn ich in Deutschland bin, einfach täglich Käsebrot.

(Übrigens: Döner vermisse ich auch! Am besten schmeckt’s in der Mittagspause auf der Keupstr. in Köln…)

Ich vermisse Familie & Freunde!

Okay, Käsebrot schön und gut. Jetzt aber mal ernsthaft. Das mit Abstand größte Problem an der Ortsunabhängigkeit und am Dasein als Semi-Expat ist für mich persönlich, dass ich nicht bei meiner Familie und bei meinen Freunden sein kann.

Zum Einen vermisse ich Mama, Papa, Schwester und meine engen Freunde. Und auch meine nicht so engen Freunde. Und die losen Bekannten. Und die ganzen erweiterten Freundeskreise. (Ich hab das Glück, dass ich echt ne Menge tolle Leute kenne!). Zum Anderen würde ich meine Erlebnisse hier im Ausland einfach so gern mit den Menschen teilen, die mir wichtig sind.

Ich liebe es, in Ländern wie Thailand, Indonesien oder Malaysia einfach durch die Straßen zu spazieren und alle Eindrücke aufzusaugen. Die Läden, die Farben, die Gerüche, die krummen Bürgersteige, die Scooter; es gibt immer was zu sehen.

In solchen Situationen denke ich oft, wie cool es wäre, wenn ich jetzt „meine“ Leute dabei hätte und mit ihnen einfach ins nächste Streetfood-Restaurant einkehren könnte. Oder dem Pfad folgen, der sich durch die Häuserschluchten schlängelt. Oder abends in der coolen Rooftop-Bar ein Bierchen trinken.

Bangkok ist so abgedreht – und mit Freunden nochmal cooler!

Wie ich meine Sehnsucht nach Familie & Freunden kompensiere:

Meine Mama ist, als sie in meinem Alter war, mehrere Monate durch Australien, Indonesien und Thailand gereist. Damals gab’s kein Internet, sondern nur die Post oder bestenfalls (unbezahlbare) Telefongespräche.

Heute sieht das natürlich ganz anders aus, und dank Messenger, Videochat und E-Mail lassen sich Beziehungen viel besser pflegen.

Aber: Zu Hause geht das Leben weiter, und die meisten Freunde melden sich nicht unbedingt von selbst. Denn dort lebt jeder weiter in seinem Alltag und denkt nicht immer dran, sicher bei den Weltenbummlern zu melden.

Klar, über Facebook bleibt man oberflächlich in Kontakt, aber wenn es tiefer gehen soll, muss man sich als Reisender schon aktiv kümmern. Wir sind diejenigen, die „abgehauen“ sind, deshalb ist es auch unsere Aufgabe, den Daheimgebliebenen zu signalisieren, dass sie weiterhin wichtiger Teil unseres Lebens sein sollen.

Ich bin leider im Kontakte-nach-Hause-pflegen deutlich schlechter, als ich es gern wäre. Vielleicht ein guter Vorsatz für’s Neue Jahr…?

Ein Highlight ist es für mich immer, wenn unsere Freunde uns im Ausland besuchen kommen. Meistens nutzen wir die Gelegenheit dann, um selbst mal Urlaub zu machen (denn normalerweise unternehmen wir wenig Touristisches). Und wir kommen endlich in den Genuss, mit unserem Local-Wissen anzugeben. 😉

Stilecht Thailand-Inselurlaub betreiben
Stilecht Thailand-Inselurlaub mit Freunden betreiben

Und natürlich nutzen wir unsere Deutschland-Aufenthalte, um das nachzuholen, was wir verpasst haben. Meistens waren das in den vergangenen Jahren so 2-3 Monate pro Jahr.

Dazu bieten sich besonders die Sommermonate an: Festivals, Biergarten, Wanderungen, Ausflüge, Grillabende! Unsere Terminkalender sind dann mitunter ganz schön voll.

Ich vermisse es, zur Gesellschaft dazugehören

Ich glaube, es wird von Leuten, die noch nicht längerfristig im Ausland gelebt haben, gern unterschätzt, wie stressig es sein kann, nicht zur „normalen“ Gesellschaft dazuzugehören. Als Ausländer ist man immer der Fremde.

Wenn man nicht zur Gesamtgesellschaft dazugehört, kann das ein bisschen nervig sein – oder aber das gesamte Leben radikal einschränken. Bei uns ist zum Glück nur Ersteres der Fall. Wir fühlen uns in den Ländern, die wir uns aussuchen, meistens sauwohl. Wer deutsche Unfreundlichkeit gewohnt ist, für den sind fast alle anderen Kulturen vergleichsweise offen und freundlich.

Und trotzdem: Man gehört nicht dazu. Man ist der Ausländer. Man ist der wandelnde Geldautomat. Und man will die ganze Zeit beweisen, dass man nicht so oberflächlich und prollig und unverschämt ist wie die anderen reichen westlichen Touristen, die sich ihrer Kolonialherren-Mentalität hingeben. Trotzdem erfüllt man selbst irgendwie die Klischees, gegen die man sich sträubt und von denen man sich abgrenzen will.

(Ich kann es jedenfalls gut verstehen, wenn Migranten damit zu kämpfen haben, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Es ist einfach sauschwer, eine fremde Kultur zu verstehen und anzunehmen.)

Man sehnt sich nach Vertrautem und orientiert sich dann doch eher an anderen Expats oder Nomaden und nicht an den Locals. Ich jammere hier gerade natürlich auf hohem Niveau. Im Gegensatz zu beispielsweise Flüchtlingen sind wir ja schließlich freiwillig hier und haben uns bewusst für die Länder entschieden, in denen wir wohnen. Und wenn wir unzufrieden sind, ziehen wir einfach weiter oder zurück in die Heimat. Ganz schön dekadent.

Wie ich meinen Wunsch nach Zugehörigkeit kompensiere:

Ich muss sagen, dass ich für dieses Problemchen bisher noch keine befriedigende Lösung gefunden habe. Der Leidensdruck ist aber auch zugegebenermaßen nicht besonders groß.

Ein Punkt, den wir besonders in den ersten Jahren halbwegs fleißig umgesetzt haben, war es, immer die jeweilige Landessprache zu lernen. Ich habe den Anspruch, wenigstens alltägliche Floskeln und Essensbestellungen in der Landessprache hinzubekommen.

Unsere Sprachschule in Chiang Mai

In Thailand hatten wir dazu einen sechsmonatigen Sprachkurs gemacht (der uns gleichzeitig ermöglicht hat, mit dem Education Visa im Land zu bleiben). In Gran Canaria und der Dominikanischen Republik haben wir mittels App (Babbel) Spanisch gelernt. Auf Bali hat Nico sich auch mit der App vorbereitet und Indonesisch gelernt. Ich war leider faul und kann nur die wichtigsten paar Phrasen, was mir ziemlich peinlich ist.

Ein weiterer Punkt ist, dass wir versuchen, uns angemessen und respektvoll zu kleiden, um nicht allzu negativ aufzufallen. Das bedeutet in vielen asiatischen Ländern meist, nicht zu viel Haut zu zeigen. Viele Touristen ignorieren das wegen der hohen Temperaturen.

Ich denke mir aber: Wenn Thais und Balinesen in der Hitze mit langen Hosen rumlaufen können, dann kann ich das auch. Meistens jedenfalls. 😉

Wir kleiden uns vorwiegend westlich, aber das machen die Leute hier vor Ort meist auch. Manchmal gibt es aber wirklich schöne regionale Kleidungsstücke: nordthailändische kurze Frauenjäckchen; chinesisch geschnittene Hemden mit Knebelknöpfen für Männer; indonesische Batik-Oberteile (indonesisches Batik ist anders als das, was man in Deutschland darunter versteht).

Solche lokalen Kleidungsstücke kaufen wir auch manchmal. Ich hatte da zuerst meine Zweifel, ob das angemessen ist (wegen Themen wie cultural appropriation und so), aber bisher waren die Reaktionen sehr positiv: Nico wurde mehrmals von asiatischen Herren auf seine schicken blauen China-Hemden angesprochen, und mir haben mehrere indonesische Frauen Komplimente für meine Batik-Oberteile aus Java gemacht – und sich totgelacht als ich gesagt habe, dass ich sie bei Tokopedia, dem indonesischen Amazon, gekauft habe. Fanden sie mega gut, dass ich als Ausländer den Webshop kannte.

Diverse Balinesinnen haben mein Oberteil gelobt. Das freut mich offensichtlich.

Was ich nicht an Deutschland vermisse

Auch wenn ich viel im Ausland unterwegs bin, liebe ich Deutschland und bin sehr froh, dort meine Heimat zu haben. Aber manche Dinge vermisse ich einfach überhaupt nicht – entweder, weil sie mir sowieso auf die Nerven gehen, oder weil ich ganz unerwartet auch gut ohne klarkomme.

Zu den Dingen, die ich absolut nicht an Deutschland vermisse, wenn ich im Ausland lebe, gehören:

  • Die deutsche Mentalität: Jammern, nörgeln, schlechtmachen. Puuh. Natürlich können wir Deutschen auch fröhlich sein (Bier hilft!), aber es ist schon ein bisschen Volkssport, das Negative aus einer Situation herauszukitzeln. Wer nicht kritisch ist, gilt als naiv. Meinetwegen, dann bin ich halt dumm und glücklich.
  • Deutsche Verlässlichkeit: Nicht falsch verstehen: Ich liebe deutsche Verlässlichkeit! Aber ich vermisse sie nicht. Als Deutscher hat man im Ausland den guten Ruf, dass man zuverlässig ist, und das finde ich toll. Im Gegensatz dazu gelten die Menschen vieler südostasiatischer Kulturen als eher unzuverlässig. Ich kann dieses Klischee kein bisschen bestätigen. Egal ob Internetprovider oder Handwerker: wenn es hieß „wir sind morgen um 12:00 da“, dann waren sie das auch. Hätte ich nicht erwartet. Hier gibt es nix zu vermissen.
  • Deutsches Internet: Langsam. Teuer. Immer noch Neuland. Wenn ich in ’nem deutschen Café nach dem W-LAN-Passwort frage, kommt die Antwort „Haben wir nicht“. WTF? Da lebe ich doch lieber in Schwellenländern, die gerade erst zu den Industrienationen aufholen, wo man aber an jeder Ecke free wifi und SIM-Karten mit massig Volumen zum Spottpreis bekommt…

Insgesamt halten sich die positiven und negativen Aspekte gut die Waage: Wenn ich in Deutschland bin, bin ich froh, dort zu sein und hole das nach, was ich während der Auslandaufenthalte vermisst habe. Und wenn ich im Ausland bin, freue ich mich, dass ich mich über die negativen Aspekte in Deutschland für ein paar Monate nicht ärgern muss. Gefällt mir!