Zurzeit sind wir nicht ganz allein in Chiang Mai. Mein alter Schulfreund Tom und seine Freundin Eva sind vor ein paar Wochen auf ihre Weltreise gestartet, und wie es der Zufall will, ging ihre Reise in Thailand los. Die Gelegenheit war also günstig, sich am anderen Ende der Welt zu treffen.

Da die beiden allerdings übermorgen weiterreisen, haben wir das Wochenende genutzt, um ein paar Ausflüge in der Umgebung zu machen: Party in der Pentatonic Rockbar in der Old City am Freitag, Ausflug zu den Sticky Waterfalls und zum Mae Ngat Stausee am Samstag, und noch einmal hoch zum Wat Prathat auf dem Doi Suthep heute morgen.

Hier in Chiang Mai ist um Mitternacht Zapfenstreich, und alle Bars müssen dann schließen. Das finden wir als westliche Touristen natürlich nicht so toll. Trotzdem haben wir am Freitag schön zu drei Metal-Coverbands gefeiert. Anschließend habe ich mir den betrunkenen Nico hinten auf den Scooter gepackt und ihn den ganzen Weg nach Hause gefahren (meine dritte längere Fahrt, bei der ich am Steuer saß, und die erste, bei der ich einen Mitfahrer hatte). Mittlerweile macht es mir fast Spaß.

Allerdings ist es Nachts so kalt, dass man sich wirklich dick einpacken muss, um nicht zu frieren (lange Hose und Fleecejacke). Nico hat ja von unserer Maklerin ein paar Kleidungsstücke geschenkt bekommen, die von ihrem Ex-Freund stammten, und die sie gern endlich aus dem Haus haben wollte. Er ist also gut auf den Winter vorbereitet.

Ameisenstraße auf unserem Gartenzaun

Ameisenstraße auf unserem Gartenzaun – Gewusel im Kleinformat!

Samstag früh haben wir uns spontan entschieden, den geplanten Ausflug doch nicht auf dem Scooter zu machen, sondern stattdessen ein Auto zu mieten. Damit ging es dann zu den Sticky Waterfalls im Norden von Chiang Mai.

Eva muss ja ohnehin den Linksverkehr üben, für die Zeit, wenn die beiden in Australien sind. Also hat sie sich dankenswerterweise angeboten, zu fahren. Ich habe mithilfe meiner Smartphone-Karte die Navigation übernommen. Es war abenteuerlich. 😀

Die prophetische Toilette

Die prophetische Toilette in dem Café, in dem wir gefrühstückt haben. Die beiden Bild waren wenige Tage vorher in meiner Facebook Timeline. Ob das Hunter S. Thompson Zitat wohl auch noch doch auftauchen wird?

In Chiang Mai sind die Straßen ja notorisch verstopft, also hat es eine Weile gedauert, bis wir endlich aus der Stadt rausgefunden haben (was auch daran lag, dass ich Eva aus Versehen immer wieder in irgendwelche Einbahnstraßen navigieren wollte…). Auf dem Weg zu den Wasserfällen haben wir am Straßenrand gehalten, um noch was zu essen.

Die zweite Garküche, bei der wir es versucht haben, hatte dann auch geöffnet, und eine sehr nette Köchin hat uns Reis, Gemüse und Fleisch gebraten. Dazu gab es Hühnerbrühe. Ich habe mich gefreut, dass wir ein bisschen Thai können, und sie hat sich darüber wohl auch gefreut. Weniger schön war, dass ich auf der Toilette meinen Kopf fast in ein Spinnennetz gesteckt hätte. Igitt.

Garküche am Straßenrand auf dem Weg zu den Buatong Sticky Waterfalls

Garküche am Straßenrand auf dem Weg zu den Buatong Sticky Waterfalls

Die Location für die Sticky Waterfalls hatten wir nur grob über unsere Smartphone-Karte parat. Zum Glück kamen ein paar Thai-Jungs auf einem Motorbike vorbei, die wir nach dem Weg fragen konnten. Anstatt nur in die richtige Richtung zu zeigen, haben sie uns bedeutet, dass wir ihnen folgen sollten. Dann sind sie in einem Affenzahn davongebraust (naja, wahrscheinlich waren sie nicht wirklich schnell, aber wir waren mit unserem kleinen Toyota auf einem schlaglochübersäten Waldweg unterwegs und konnten deshalb nur langsam fahren).

Nachdem wir den Jungs erfolgreich ein paar Abbiegungen gefolgt waren, haben wir uns wohl irgendwie missverstanden – jedenfalls haben wir guter Dinge eine Abzweigung auf eine Mangofarm genommen. Auf Toms Einwände, dass das hier nicht so offiziell aussieht, habe ich noch groß getönt „Das ist hier halt nicht so touristisch, das ist ist voll abgeschieden!“.

Aber je weiter wir uns in die Mangofarm vorgearbeitet haben, desto klarer wurde es, dass wir einfach total falsch waren. Links und rechts Mangobäume und Gestüpp, das uns wirklich ziemlich nahe kam. Unter uns roter Schotterboden mit tiefen Furchen. Und kein Anzeichen von irgendeinem Wasserfall. Irgendwie haben wir es geschafft, zu wenden und wieder rauszufahren, ohne mit dem Wagen steckenzubleiben.

Dann sind wir der echten, geteerten Straße weiter gefolgt – und da kamen uns die Jungs auch schon lachend auf ihrem Motorbike entgegen und winkten uns zu. Was die sich wohl gedacht haben, dass wir ihre Hilfe so missverstanden haben! Egal, wir haben den Weg schlussendlich gefunden, auch wenn das Auto ganz schön staubig war. Ups.

Die Mangofarm hat ihre Spuren hinterlassen

Die Mangofarm hat ihre Spuren hinterlassen

Die Sticky Waterfalls haben sich dafür echt gelohnt: Mitten im Dschungel fällt ein kleines Flüsschen über mehrere Ebenen ziemlich steil in ein Tal hinein. Von oben sieht man kaum etwas, nur den grandiosen Ausblick über das Dschungeltal. Der Wasserfall plätschert irgendwo weiter unten zwischen den Bäumen.

Das Besondere dabei: Das Wasser fließt in Kaskaden über ein weißes Gestein, das nicht nur ziemlich ulkig aussieht (weiß und schwammig und aufgedunsen). Es ist auch so „sticky“ ist, dass man problemlos die Steine hochklettern kann – mitten durch den Wasserfall! Man fühlt sich ein bisschen wie ein Gecko, der die Wände hochläuft.

Ulkiges sticky Gestein

Ulkiges sticky Gestein

Nico klettert den Wasserfall hoch

Nico klettert den Wasserfall hoch

Es gibt ein paar schwierige Stellen, an denen es doch etwas glitschig ist, aber dort sind Seile angebracht, mit denen man recht sicher nach oben kommt. Neben den Wasserfällen führen aber auch noch Stufen durch den Dschungel, sodass man nicht klettern muss, wenn man sich nicht traut. Ich war zuerst etwas skeptisch, aber eine der Ebenen bin ich dann doch hochgeklettert, und es war trotz meiner Höhenangst gar nicht so schlimm.

Nur kurz vor dem Ende habe ich übersehen, dass an einer Stelle genau über meinem Weg eine kleine Wasserkaskade nach unten stürzte. Ich bin unbedacht schnurstracks durchgeklettert und dabei klatschnass geworden. Aber tagsüber ist es ja noch schön warm, also war ich schnell wieder trocken.

Nach erfolgreicher Bezwingung des Wasserfalls

Nach erfolgreicher Bezwingung des Wasserfalls

Da bin ich hochgeklettert...?!?

Nico kennt keine Furcht!

Hallo Eva! :)

Hallo Eva! 🙂

Hinunter zu den unteren Ebenen des Wasserfalls

Hinunter zu den unteren Ebenen des Wasserfalls

Der Fußweg zwischen den verschiedenen Ebenen

Der Fußweg zwischen den verschiedenen Ebenen

Auf dem Rückweg haben wir noch einen Abstecher zum Mae Ngat Staudamm in der Nähe gemacht und uns dort den Sonnenuntergang angesehen. Man kann wohl auch mit dem Boot auf den Stausee, aber dazu war es schon zu spät. Das werden Nico und ich sicher noch nachholen.

Sonnenuntergang am Mae Ngat Staudamm

Sonnenuntergang am Mae Ngat Staudamm

Eva, Tom und ich haben den Abend dann auf einem überfüllten Nachtmarkt eingeläutet und anschließend in einer touristischen Rooftop-Bar ausklingen lassen (nur zweiter Stock, aber wir sind hier ja auch nicht in BKK). Nico ist nach der Wasserfall-Action vorbildlich nach Hause gefahren, aber wir wollten noch ein bisschen feiern. Eva und ich waren dann noch auf einen Cocktail im Yellow Corner – und dann kam der blöde Zapfenstreich, sodass wir um Mitternacht nach Hause mussten.

War vielleicht auch besser so, weil wir dadurch heute früh wenigstens aus dem Bett kamen, um relativ zeitig noch einmal zum Doi Suthep hochzufahren. Dort war’s leider deutlich voller als beim letzten Mal (wegen Wochenende?), sodass es nicht ganz so schön war.

Trotzdem war es ingesamt ein erlebnisreicher Sonntag Morgen: Das Auto auf dem Weg den Berg hoch abgewürgt, zweimal fast von entgegenkommender waghalsig überholenden Autofahrern zermatscht worden, mit letztem Tropfen Sprit gerade noch die Tankstelle erreicht und vergeblich versucht, die Mangofarm-Überreste auf dem Auto zu beseitigen (selber waschen ist nicht möglich, und waschen lassen dauert ewig…).

Man, was war ich froh, als wir das Auto wieder loswaren und ich endlich wieder zu Nico auf den Scooter steigen konnte! 😉