Vor einiger Zeit war ich für ein Wochenende in Laos. Eigentlich hatte ich nach Vietnam gar keine Lust, direkt wieder auf Reisen zu gehen, aber für mein Visum war es notwendig.

Nico und ich setzen ja zurzeit unseren Thai-Sprachkurs fort, einerseits um besser Thai zu lernen (ach ne!?), andererseits aber auch, weil uns das ermöglicht, mit einem Education Visum ein halbes Jahr lang im Land zu bleiben. Touristenvisa gelten nämlich maximal 60 Tage, danach muss man das Land verlassen, zu einer Botschaft im Ausland fahren, dort ein Visum beantragen, ein paar Tage warten und dann mit Visum im Pass wieder einreisen.

Eine andere Möglichkeit ist es, ohne Visum im Land zu sein, aber dann muss man nach 30 Tagen wieder ausreisen (und dann direkt wieder einreisen, ein sogenannter „Visa Run“). Visa Runs sind eigentlich kein Problem, es gibt etliche Agenturen, die dir die Fahrt an die Grenze und wieder zurück organisieren. Aber Thailand hat wohl seine Regeln verschärft, und wer nun ständig Visa Runs macht, läuft Gefahr, nicht mehr reinzukommen.

Also ist es sehr praktisch, mit dem Education Visum ein halbes Jahr bleiben zu können, ohne ständig zur Grenze zu müssen. Aber um das Visum zu beantragen, muss man leider ins Ausland. Laos liegt am nächsten, also ging es für mich dorthin.

Die Sprachschule hat mir die notwendigen Unterlagen vorbereitet (ein fetter Stapel, vollkommen irre!), und dann ging’s mit leichtem Gepäck für mich Richtung Vientiane in Laos. Leider sind die Flugverbindungen von Chiang Mai nach Vientiane teuer und selten, sodass ich stattdessen zu einem Bruchteil des Preises nach Udon Thani in Ostthailand geflogen bin. Denn das liegt direkt an der laotischen Grenze, und nach Vientiane ist es von dort aus nicht weit.

Außerdem hatte ich so die Möglichkeit, die Friedship Bridge zu überqueren: die erste Brücke über den unteren Mekong, die erst 1994 eröffnet wurde! Man verlässt Thailand auf der einen Seite der Brücke, überquert das Niemandsland über den Fluss per Bus, und checkt auf der anderen Seite in Laos ein. Dazu holt man sich für 30$ oder 1200 Baht ein Visa on Arrival, um ins Land zu kommen.

Blick zurück auf Thailand

Hinter der Grenze: Blick zurück auf Thailand

Als ich an der Grenze darauf gewartet habe, dass mein Visum fertig wird, habe ich Jacob, einen Amerikaner, kennengelernt, der ebenfalls in Chiang Mai wohnt(e). Wir haben uns erfolgreich gegen die aufdringlichen Taxifahrer zur Wehr gesetzt und den grün-weißen Bus nach Vientiane gefunden, der uns günstig in die Stadt brachte. Zum Glück hatte Eva mir in Vietnam ihre verbliebenen Kip gegeben, sodass wir nicht nur den Bus, sondern auch das anschließende Abendessen am Straßenrand auf den letzten Schein genau zahlen konnten.

Ich bin in einem netten Hostel namens Niny Backpackers (guter Name!) abgestiegen, wo ich im riesigen Schlafsaal übernachtet habe. Total gemütlich, sehr ruhig, nette Besitzer. Ich habe viel Zeit auf dem Balkon und in der Lounge verbracht und gelesen. Vientiane ist als Stadt nicht sonderlich spannend, also hatte ich nicht das Bedürfnis, die Gegend ausführlich zu erkunden. Ich wäre eigentlich lieber nach Luang Prabang gefahren, aber dort gibt’s leider keine Thai-Botschaft (bzw. Konsulat), um das Visum zu beantragen.

Blick aus meinem Hostel in Vientiane

Blick aus meinem Hostel in Vientiane (keine Sorge, die Aussicht vom Balkon war besser)

Ein bisschen war ich aber doch in der Stadt unterwegs, weil ich ja zum Konsulat musste, um das Visum zu beantragen. Freitags morgens früh hin, Visumsunterlagen abgegeben und dann hieß es: warten, bis ich meinen Pass am Montag Nachmittag wieder abholen konnte. Im Konsulat habe ich Jacob wiedergetroffen, der sich ebenfalls ein Visum für die Rückkehr nach Thailand geholt hat.

Weil ich doch ein bisschen was von der Stadt sehen wollte, und weil ich zu faul war, mich in den öffentlichen Nahverkehr einzudenken (sofern er denn vorhanden ist), war ich zu Fuß unterwegs. Vientiane ist recht überschaubar, also hatte ich zwei nette Spaziergänge: einer frühmorgens, als es noch angenehm war, einer in der Mittagshitze, was nicht so schön war.

Früh morgens auf dem Weg zum thailändischen Konsulat

Früh morgens auf dem Weg zum thailändischen Konsulat. Im Hintergrund der Triumphbogen.

So stellt man sich Südostasien vor, oder?

So stellt man sich Südostasien vor, oder?

Vientiane wacht langsam auf

Vientiane wacht langsam auf

Eine Frangipani-Blüte auf dem Bürgersteig

Eine Frangipani-Blüte auf dem Bürgersteig

Bushaltestelle in Vientiane

Bushaltestelle in Vientiane

Die Sonnenuntergänge in Vientiane kann man schön am Mekong-Ufer verbringen. Dort gibt es einen netten Park mit Nachtmarkt, und eine Menge Leute schlendern die Uferpromenade entlang.

Am Mekong-Ufer in Vientiane. Gute Stimmung zum Sonnenuntergang

Am Mekong-Ufer in Vientiane. Gute Stimmung zum Sonnenuntergang

Man flaniert.

Man flaniert.

Kitschige Beleuchtung in der Nähe von meinem Hostel

Kitschige Beleuchtung in der Nähe von meinem Hostel

An meinem letzten Abend bin ich beim Japaner nebenan essen gegangen. Als Reisender bleibt man ja meistens nicht lang allein, und so saß ich nach ein paar Minuten bei einem bunt gemischten Trüppchen Vientianer am Tisch:

Eine Französin, die dort seit 1 1/2 Jahren lebt und arbeitet; ihr laotischer Freund; ein Kumpel der beiden, der aus Tibet stammt, aber seit 13 Jahren in Laos lebt und nun kurz davor steht, mit seiner australischen Frau und den drei Kinden in ein afrikanisches Land zu ziehen (habe vergessen, welches); der japanische Restaurantbesitzer, seine ebenfalls japanische Kellnerin und ein reisebegeisterter Deutscher. Später kam noch ein japanischer Professor dazu, der zurzeit in Bangkok lebt und arbeitet.

Wir haben uns mit einer Mischung aus Englisch, Thai/Laotisch, Französisch, Deutsch und Japanisch unterhalten. Ein saucooler Abend! Übrigens wurde ich schon mehrmals von Asiaten gefragt, ob ich auch tielweise asiatische Wurzeln habe. Offensichtlich glauben das also nicht nur Europäer! 🙂

Babylonisches Sprachwirrwarr.

Japan, Tibet, Schland: Babylonisches Sprachwirrwarr.

Blick in einen Tempelgarten. Coole Farben!

Blick in einen Tempelgarten. Coole Farben!

Der Triumphbogen in Vientiane

Der Triumphbogen in Vientiane. Prächtig!

Der Weg zurück nach Thailand war leider nicht ganz so komfortabel: Weil ich mich zu spät um einen Flug gekümmert habe (ein halber Tag vorher reicht wohl nicht…), gab es keine Tickets mehr.

Also ging es, nachdem ich meinen Pass mit Education Visum wieder eingesammelt hatte (juhu!) stattdessen zurück in das thailändische Grenzörtchen Nong Khai (wieder gemeinsam mit Jacob), und von dort aus dann mit dem Nachtbus nach Hause. Aber dazu später mehr… 🙂