Als wir in Kuala Lumpur waren, hatte Nico mir empfohlen, die Masjid Negara zu besuchen: Die Nationalmoschee von Malaysia. Und da sie nur etwa 1 km entfernt von unserem Hostel in Chinatown entfernt lag, habe ich mir ein bisschen Kultur gegönnt und bin dorthin spaziert. Der Weg führte mich durch unsere MRT-Haltestelle der Skytrain und anschließend durch den alten Bahnhof von Kuala Lumpur, der seit 2001 durch die Station KL Sentral abgelöst wurde, aber immer noch genutzt wird.

Wenige Meter weiter, von einem Park umgeben, liegt die Nationalmoschee. Ein relativ neues, imposantes Gebäude, das erst 1965 erbaut wurde und bis zu 15.000 Menschen fasst. Als Referenz an die Tropen haben die Architekten das Symbol des Regeschirms gewählt, um Minarett und Dachkuppel zu gestalten: Beide erinnern jeweils an einen eingeklappten bzw. aufgespannten Regenschirm. Bitter nötig bei den häufigen Unwettern in diesen Breitengraden!

Die Nationalmoschee von außen – Minarett und Kuppel

Die Nationalmoschee von außen – Minarett und Kuppel

Das Minarett der Nationalmoschee – sieht aus wie ein eingeklappter Regenschirm

Das Minarett der Nationalmoschee – sieht aus wie ein eingeklappter Regenschirm

Detail der Dachkuppel im Innenraum

Detail der Dachkuppel aus dem Inneren

Die Moschee ist für Besucher kostenfrei zugänglich, aber man muss angemessen bekleidet sein. Man ist hier allerdings auf Touristen vorbereitet: Wer zu viel Haut zeigt, bekommt ein lilafarbenes Gewand gestellt. Für Frauen liegen auch schwarze Kopftücher bereit.

Meine Aufmachung war wohl anständig genug (langärmliges weites Leinenhemd und wadenlange weite Hose), sodass ich von der Dame am Eingang nur ein Kopftuch übergestülpt bekam.

Nina mit Kopftuch :)

Nina mit Kopftuch 🙂

Besucherinnen der Nationalmoschee

Angemessen gekleidete Besucherinnen der Nationalmoschee

Innerhalb der Mosche, direkt vor dem Hauptgebetsraum, gab es einige Stände mit Broschüren zum Islam und einige Freiwillige, die die Besucher mit Informationen versorgten. Ich habe mich etwa eine Dreiviertelstunde lang mit einem netten ältere Herrn unterhalten, der mir die Vorzüge des Islam erklärte. Er war gut auf westliche Besucher eingestellt; der Fokus seiner Ausführungen lag auf der Friedfertigkeit der Religion, der Wertschätzung von Frauen im Islam und der wissenschaftlichen Haltbarkeit des Korans.

Es war ein aufschlussreiches Gespräch und er hat sich offensichtlich über mein Interesse gefreut. Allerdings habe ich ihm nicht unter die Nase gerieben, dass ich Atheist bin (was wohl das Schlimmste überhaupt ist), und dass sich daran auch nichts ändern wird – erst recht nicht allein durch seine kleinen Broschüren und seine begeisternd leuchtenden Augen. Lassen sich Leute wirklich von ein paar plumpen Floskeln überzeugen, ihre gesamte Weltanschauung zu ändern? Dann kann es mit ihrer Überzeugung ja vorher nicht besonders weit her gewesen sein.

Auch wenn ich seine Ausführungen (kulturell gesehen) interessant fand, hatte ich kein Bedürfnis, mit ihm eine tiefergehende Diskussion zu führen oder seine Ansichten offen und kritisch zu hinterfragen. Ich werde wohl keinen Theisten überzeugen können – und im Gegensatz zu ihm will ich das auch gar nicht. Trotzdem kam ich mir ein bisschen scheinheilig vor, weil ich ihm nicht explizit gesagt habe, dass er sich mit mir keine Mühe machen muss. Aber ich glaube, er wollte in erster Linie wirklich sein Wissen weitergeben. Und nur in zweiter Linie missionieren. 😉 Interessant war es aber trotzdem, mal tiefer in die Sichtweise des Islams reinzuschauen.

Kleiner Exkurs zur Frage „Hätte ich was sagen sollen?“: Nicht in allen Ländern der Welt ist man als Atheist gut dran. Die folgende Grafik zeigt z.B. die Anerkennung von Atheisten in Führungspositionen. Rot sind „Staaten und Länder, in denen offen atheistische Regierungschefs rechtlich ausgeschlossen sind“. Weitere Infos zur Grafik hier.

Gewählte atheistische Führer und Repräsentanten

Gewählte atheistische Führer und Repräsentanten. Lizenz: von Kwamikagami (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Außerdem ist man in Malaysia gezwungen, sich in einer Religionsgemeinschaft zu registrieren. Nur einige Religionen sind „zugelassen“; z.B. der Islam, das Christentum oder das Judentum. Wer anders glaubt, muss lügen oder extreme Diskriminierung in Kauf nehmen. Naja, die Menschenrechtssituation in solchen Staaten ist auch insgesamt sehr dürftig, nicht nur in Bezug auf Religionsfreiheit. Außerdem ist Malaysia eines der 13 Länder weltweit mit Todesstrafe auf Apostasie (Abfall vom Glauben). Was mit Leuten wie mir passieren würde, die niemals einer Religionsgemeinschaft angehört haben, weiß ich allerdings nicht.

Back to topic: Nach dem Gespräch hat der nette ältere Herr mir noch angeboten, ein paar Fotos im Hauptgebetsraum zu machen. Dieser ist für Nicht-Muslime nämlich nicht zugänglich. Von der Schwelle aus konnte ich zwar reingucken, aber ich konnte von dort aus die Mitte des Kuppeldachs nicht sehen, die besonders schön gestaltet ist (siehe Foto weiter oben).

Blick in den Hauptgebetsraum. Nicht zugänglich für Nicht-Muslime

Blick in den Hauptgebetsraum. Nicht zugänglich für Nicht-Muslime

Außerhalb des Hauptraums sind weitere Räumlichkeiten gelegen, die zum beten geeignet sind. Besonders für das Freitagsgebet wird es hier voll. Damit die Gläubigen auch wissen, was vor sich geht, sind Lautsprecher und Monitore an den Wänden angebracht, damit man auch auf den „äußeren Rängen“ weiß, was vor sich geht.

Außerhalb des Hauptraums

Außerhalb des Hauptraums

Wanddetails

Wanddetails

Dachdetail

Dachdetail

Hauptsache Free Wifi!

Hauptsache Free Wifi!