Vergangene Woche hatten wir die Gelegenheit, ein bisschen kanarische Kultur mitzuerleben – allerdings nicht ruhig und gesittet, sondern in Begleitung von etwa 80 Erasmus-Studenten, die ja bekannt dafür sind, ihr Auslandssemester mit ungehörigem Alkoholkonsum zu verbringen. Eine gute Ausgangslage also!

Durch den Coworking-Space (CwC), in dem wir einen Großteil unserer Arbeitszeit verbringen, haben wir Laura kennengelernt: Sie ist Kanarin, hat zwischendurch auch mal in Kanada gelebt und ist nun wieder in der alten Heimat, wo sie als Übersetzerin und Sprachlehrerin arbeitet. Nebenbei organisiert sie ständig irgendwelche kulturellen Events für ihre Schüler, u.a. also auch die Wanderung nach Teror zur sog. „Fiesta del Pino“.

Laura, die tapfere Organisatorin des Events. Soo viele Leute unter einen Hut bringen!

Laura, die tapfere Organisatorin des Events. Soo viele Leute unter einen Hut bringen! (Foto von Filip Kamiński)

Lauras Eventbeschreibung besagte:

A group of ERASMUS and locals is going to Teror 7/9/16 for traditional „Subida de la Fiesta del Pino“. The tradition says that you have to arrive to the city of Teror by WALKING….

Dieser Tradition sind wir nachgekommen. Gemeinsam mit etwa 80 Erasmus-Studenten und einer Handvoll Coworking-Kollegen ging’s am Mittwoch Abend von der zentralen Bushaltestelle Mesa y Lopez aus Richtung Arucas (ein Örtchen, das wir vor ein paar Wochen mal besucht hatten und in dem der beste Rum der Insel gebrannt wird). Dort angekommen ging es dann bei hereinbrechender Dunkelheit über die Bergstraßen zu Fuß nach Teror.

Nico und ich voller Vorfreude. Oder so.

Nico und ich voller Vorfreude. Oder so.

Zum Glück war vor dem eigentlichen Aufbruch noch genug Zeit, sich vorher bei der Tankstelle mit ausreichend Tropical (das örtliche Bier) einzudecken. Denn brav wie wir sind, hatten wir natürlich nur Wasser und Snacks mitgebracht.

Als unser Kiwi-Bekannter Matthew (ebenfalls ein Kollege aus dem CwC) das hörte, schickte er uns schnurstracks zur Tanke, damit wir uns für die Wanderung angemessen ausstatten konnten. Er hatte wohl Angst, seinen Biervorrat teilen zu müssen.

Und los geht's!

Und los geht’s!

Als die Busse nach und nach alle Teilnehmer ausgespuckt hatten, ging es los: etwa 3 Stunden land bei Finsternis über Berg und Tal. Wunderschöne Aussichten auf die von Häusern und Straßenlaternen erhellten Berghänge. Viele Spanier, die uns Wandernden am Wegesrand zuwinkten. Und natürlich machten die Studenten ihrem Ruf alle Ehre und feierten was das Zeug hielt. Inkl. nicht enden wollenden Wiederholungen von „Time of my life“ und nerviger Taschenlampen-Disco-Beleuchtung.

Vielleicht erahnt man, wie dunkel es war. ;)

Vielleicht erahnt man, wie dunkel es war. 😉

Posen für die Kamera in der Verschnaufpause. Sehr wichtig, wie es scheint.

Posen für die Kamera in der Verschnaufpause. Sehr wichtig, wie es scheint. (Foto von Filip Kamiński)

Irgendwo zwischen zwei Berghängen in einer Senke...

Irgendwo zwischen zwei Berghängen in einer Senke…

Wir haben uns auf dem Weg nett mit einigen Leuten unterhalten; sowohl aus dem CwC (Matt der Kiwi, James der Brite) aber auch ein paar neue Leute von den Erasmus-Studenten. Mein Highlight: Ein Slowene, der aus Tolmin kommt – das ist das Örtchen im Norden von Slowenien, in denen mein Lieblings-Metalfestival stattfindet. Wir haben natürlich von der schönen Natur dort geschwärmt, von den beeindruckenden Bergen und von der eiskalten Soča und von den Bands, die wir dort schon gesehen haben. Voll schön!

Je näher wir nach Teror kamen, desto mehr Leute waren auf den Straßen unterwegs. Die meisten waren wohl nicht ganz so weit gegangen wie wir, sondern hatten ihre Pilgerfahrt erst kurz vor dem Ortseingang zu Fuß begonnen.

Fast am Ziel, die Menschenmengen verdichten sicht.

Fast am Ziel, die Menschenmengen verdichten sicht.

In Teror selbst war dann die Hölle los: Das ganze Dörfchen war gerammelt voll mit Leuten, sowohl Touristen als auch feiernde Spanier. Viele von letzteren waren in Trachten gekleidet, ein Großteil der Männer hatte Gitarren dabei und überall auf der Straße sangen und tanzten die Leute. Klischee pur.

Super lockere Stimmung. Aber saubermachen möchte ich hier morgen nicht...

Super lockere Stimmung. Aber saubermachen möchte ich hier morgen nicht…

Die Klampfe ist dabei

Die Klampfe ist dabei

Irgendwo zwischen verkleidet und alltagstauglich

Irgendwo zwischen verkleidet und alltagstauglich

Schöne Kostüme

Schöne Kostüme

Moderne Fressbuden und traditionelle Kostüme

Moderne Fressbuden und traditionelle Kleidung

Da aber der Weg das Ziel war, blieben Nico und ich nur etwa eine Stunde im Ort. Ein bisschen Leute gucken, ein bisschen Bocadillos essen, ein bisschen Feuerwerk bestaunen (überraschend gut!), und dann ging es mit dem Bus gegen 1 Uhr nachts wieder ab nach Hause.

Schönes Feuerwerk zum Abschluss

Schönes Feuerwerk zum Abschluss

Ein richtig schönes Fest, auch wenn wir uns bis heute nicht die Mühe gemacht haben, rauszufinden, was genau dort eigentlich gefeiert wurde. Ich weiß nur, dass es mit einer kanarischen Heiligen zu tun hat – Virgen del Pino. Wir sind wohl doch Kulturbanausen…