Zwar sind wir noch nicht lange hier, aber wir haben die Kanaren jetzt schon ins Herz geschlossen. Und obwohl ich immer dachte, dass die spanische Mentalität mir gar nicht liegt, stelle ich jetzt fest, dass die Lebensart mir hier doch sehr gut gefällt. Dabei habe ich mich nie für südländisches Temperament, feurige Schönheiten und Stierkämpfe interessiert. Und eine Sprache, in der das Wort für Umarmung abrazo lautet, war mir sowieso suspekt. Siesta, okay, das ist Konzept, mit dem ich mich anfreunden kann. Aber sonst? Wikinger sind ja wohl viel cooler als Toreros!

Auch wenn ich letzter Aussage nach wie vor zustimme, freunde ich mich nun doch langsam mit der spanisch-kanarischen Mentalität an. Und dazu tragen zurzeit u.a. drei Dinge bei: Freundliche Menschen, positive Körperkultur und natürlich leckere Tapas. Lasst mich dazu etwas weiter ausholen.

Freundliche Menschen

Klar, wir kommen gerade aus Thailand, dem Land des Lächelns. Dort waren die Menschen ebenfalls super-freundlich und hilfsbereich – aber auf eine etwas zurückhaltendere Art. Hier hingegen geht man viel offensiver vor. Typisch Spanisch vielleicht?

Als wir in Las Palmas ankamen, dick bepackt mit Trolley, Reiserucksack und Gitarre (Nico hat diesmal seine Gibson SG dabei), standen wir zunächst etwas ratlos in der Straße, in der unser AirBNB sein sollte. Denn die Hausnummer, die wir suchten, war weit und breit nicht zu entdecken.

Prompt blieb eine kanarische Dame stehen, fragte uns auf Englisch, wie sie uns helfen könne und suchte mit uns gemeinsam. Schnell schloss sich noch eine weitere einheimische Dame an, fragte beim Metzger gegenüber nach der Adresse und  gab Tipps, wen man noch fragen könnte. Ein ganz schönes Gewusel mit viel Gequatsche zwischendurch. Total nett und hilfsbereit. (Im Endeffekt stellte sich raus, dass wir nach der falschen Hausnummer geguckt hatten. Hoppla. 😉 )

Ausblick aus unserer AirBNB-Wohnung im 14. Stock

Ausblick aus unserer AirBNB-Wohnung im 14. Stock

Und dann war da noch der nette Verkäufer im Handyladen, der zwar behauptete, kaum Englisch zu sprechen, uns aber trotzdem sehr kompetent und freundlich beriet. Oder die alte Dame im Bus, die lauthals ¡Salud! durch den halben Bus rief, als jemand nieste. Oder unsere Maklerin, die uns erstmal mit Küsschen und Umarmung begrüßte.

Oder unsere Vermieterin, die aus Versehen in unsere Wohnung stolperte, weil sie dachte, dass die Maklerin uns die Wohnung nebenan gegeben hatte. Die sich dann tausendfach entschuldigte und versuchte zu erklären, dass sie sich vertan hatte – was ich nicht verstand, weil ich ja (noch) kein Spanisch spreche. Also rief sie kurzerhand (Abends um 22 Uhr) die Maklerin an, die mir am Telefon die Verwechslung erklärte.

Unsere Wohnung für August – klein aber in bester Lage

Unsere Wohnung für August – klein aber in bester Lage

Blick von der Strandpromenade auf das Haus, in dem unsere Wohung ist

Blick von der Strandpromenade auf das Haus, in dem unsere Wohung ist

Ingesamt etwas befremdlich für uns eigenbrötlerische Deutsche, diese offene und sehr direkte Art, aber total nett!

Positive Körperkultur

Nächster Punkt auf der Sympathie-Liste: Die Kanaren scheinen ein echt positive Beziehung zu ihrem eigenen Körper zu haben – egal, wie er aussieht.

Hier an der Promenade sieht man den ganze Tag über Jogger entlangsprinten. Alt und jung, durchtrainiert und speckig, aber alle ordentlich braungebrannt. Es gibt öffentliche Trainingsgeräte entlang der Promenade am Hafen, die auch fleißig genutzt werden. Und das neu eröffnete Fitnesscenter direkt am Playa de Las Canteras (dem Stadtstrand, an dem wir jetzt wohnen) ist auf Monate im Voraus ausgebucht.

Der Playa de Las Canteras direkt vor unserer Wohnungstür

Der Playa de Las Canteras direkt vor unserer Wohnungstür

Aber nicht alle hier sind im Fitnesswahn. Am Strand räkelt man sich, ohne etwas drauf zu geben, ob man nun den perfekten Beachbody hat oder nicht. Kurze, enge Shorts für die Männer und Bikinis für die Frauen aller Altersklassen. Gerne auch oben ohne, ebenfalls egal, ob die Brüste schon hängen oder noch straff sind, egal ob der Bauchspeck hervorquillt oder die Schwagerschaftssreifen zu sehen sind (naja, letzteres habe ich noch nicht beobachtet – so sehr starre ich nun auch nicht).

Der Playa de Las Canteras an der Südseite – mit schwarzem Vulkansand

Der Playa de Las Canteras an der Südseite – mit schwarzem Vulkansand

Nach Thailand, wo es sich ja nicht gehört, zu viel Haut zu zeigen (auch wenn die jungen Mädels das dort auch gerne tun) finde ich es doch sehr erfrischend, hier auch alte Omis oben ohne baden gehen zu sehen, die sich einen Scheissdreck drum scheren, ob die Leute nun blöd gucken oder nicht. Und die Leute gucken auch nicht (außer ich natürlich, aber heimlich 😉 ).

Ist halt normal hier. Hauptsache, man wird braun. Auch das ist anders als in Thailand, wo „Snail White“, eine blasser machende Hautcreme, ein extrem erfolgreiches Produkt ist.

Leckere Tapas

Wer mich kennt wird nicht überrascht sein, dass ein Land mich am einfachsten von sich überzeugen kann, indem es leckeres Essen zu bieten hat. Wenn dann die beliebtesten Zutaten auch noch Olivenöl und Knoblauch sind, kann nicht mehr viel schiefgehen. Denn obwohl Thailand natürlich auch eine weltberühmte Küche hat, hadere ich noch mit Koriander und Erdnüssen als beliebte Zutaten.

Was an Tapas so cool ist: Man isst nicht, um satt zu werden, sondern um zu genießen. Also nicht nur 2-3 große, stopfende Mahlzeiten am Tag, sondern immer mal wieder ein bisschen. Ich glaube, eigentlich isst man Tapas erst abends zu einem guten alkoholischen Getränk – aber wir haben unseren Kühlschrank mit diversen Käsesorten, Oliven, Kartoffel-Zwiebel-Puffern, Thunfisch, eingelegten Paprika, usw. gefüllt und machen uns einfach immer dann einen Teller, wenn wir Lust haben.

Lecker Tapas auf unserem Balkon!

Lecker Tapas auf unserem Balkon!

Eine andere Köstlichkeit, die eigentlich aus Lateinamerika kommt, habe ich mir direkt am ersten Tag gegönnt: Dulce de Leche, einen Brotaufstrich aus karamellisierter gezuckerter Kondensmilch. Ich hatte vor Jahren mal welche selbst gemacht, aber es ist natürlich praktischer, sie hier schnell im Supermarkt zu kaufen.

Ihr seht: Es geht uns gut hier! Und nun mache ich mir nen Käseteller! 🙂